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HNO 022026 AGru Psychosomatik in der HNO-Heilkunde

MazurekMarek
Arbeitsgemeinschaft Psychosomatik in der HNO-Heilkunde

Geschäftssitzung: 14. Mai 2026 I Messe Ulm
Birgit Mazurek, Berlin
Astrid Marek, Bochum

Im Rahmen der 97. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (13. - 16.05.26 in Ulm) haben wir die Geschäftssitzung der Arbeitsgruppe Psychosomatik in der HNO-Heilkunde am Samstag, 14.05.2026 durchgeführt.

Zuvor fand die Themenveranstaltung Psychosomatik in der HNO statt und beinhaltete 3 geladene Vorträge zu Hörversorgung – wie kann die aktive Teilnahme verbessert werden? (Dr. Stropahl, Stäfa), zu Stimmstörungen - Psychosomatische Aspekte (Dr. Mainka, Berlin) und zu Chronische Fatigue – Umgang mit Schwäche (Prof. Dr. Reuken, Jena) sowie sechs thematisch zugeordnete freie Kurzvorträge, an die sich eine rege Fachdiskussion anschloss. Psychosomatische Zusammenhänge und Fragen zu Behandlungsmöglichkeiten wurden umfangreich behandelt. Dieses Thema findet zunehmend Gewicht im Alltag der Kliniken und Praxen.

Darüber hinaus wurde am Freitag, 15.05.2026 das Thema Tinnitus im Visier: Wenn’s mehr als nur piept – Komorbiditäten clever behandeln! in einem Industriesymposium (Moderation Prof. Dr. Mazurek, Berlin) behandelt. Ebenfalls am Freitag, 15.05.2025 fand ein weiteres Industriesymposium statt zum Thema Akute Atemwegsinfekte/ Chronischer Tinnitus (Referenten: Dr. Jobst – Bonn, Prof. Dr. Mazurek – Berlin, Dr. Walter – Duisburg).

Im Anschluss an die Themenveranstaltung Psychosomatik in der HNO wurde die Geschäftssitzung der Arbeitsgruppe abgehalten.

Folgende Themen wurden in der Geschäftssitzung behandelt:
• Neuerungen in der ICD 11 dahingehend, dass die undifferenzierte Somatisierungsstörung (F45.1) aus der ICD 10 zukünftig in die somatische Belastungsstörung aus der ICD 11 überführt werden wird. Bis zur Implementierung in Klinik und Praxis gelten noch die Diagnosen gemäß ICD 10. Voraussichtliche Einführung der ICD 11 erfolgt 2027.

• Die S3 Leitlinie Chronischer Tinnitus unter der Federführung der Dt. HNO-Gesellschaft wird unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Mazurek (Berlin) und Herrn Prof. Dr. Gerhard Hesse (Bad Arolsen) bis Quartal I/2027 überarbeitet.

• Im Rahmen des EU-Projects Unification of treatment and Intervention for Tinnitus Patients (UNITI), ein Verbundprojekt der Universitäten Regensburg, Charité, Leuven, Grenada und Athen, ist eine große multizentrische randomisierte kontrollierte Studie beendet worden und die Publikation ist erschienen (Schoisswohl et al, 2025). In diesem Projekt wurden die Effekte von Einzelbehandlungen (Counselling, kVT, Sound-Therapie und Hörgeräte) vs. Kombinationsbehandlung bei Tinnitus über einen Zeitraum von 12 Wochen mit Nachbeobachtungszeitraum von 36 und 48 Wochen untersucht.

• Im Rahmen des EU-Projekts Gamified Digital Solutions for Tinnitus Health Literacy (TinWise) ist im 1.Quartal 2025 in Zusammenarbeit der Universitätskliniken Charité Berlin, Jena, Nikosi/Zypern und Athen/Griechenland an den Start gegangen. TinWise will Tinnitus-Patienten in die Lage versetzen, ihre Gesundheitskompetenz zu verbessern und ihr Wissen in die Praxis umzusetzen. Der Aufbau von Selbsthilfetools erfolgt in 3 Sprachen (deutsch, griechisch, englisch).

• Im Rahmen des Innofondprojektes Psychosoziale Faktoren für die Lebensqualität älterwerdender Menschen mit Schwerhörigkeit: neue Ansätze für die Versorgung (AgeHearing-QoL) wurde in Zusammenarbeit mit der Hochschule Landshut und den Universitätskliniken Greifswald und Charité Berlin im Dezember 2025 ein neues Forschungsprojekt begonnen. In diesem Projekt erfolgt in Phase 1 eine bevölkerungsbasierte Studie zur Analyse psychosozialer Einflussfaktoren auf die Lebensqualität älterwerdender Menschen. Danach findet in Phase II eine Onlinebefragung zur Rolle psychosozialer Faktoren für die Lebensqualität bei Menschen mit Schwerhörigkeit statt. Basierend auf den vorangegangenen Schritten erfolgt in Phase 3 eine ergebnisbasierte Entwicklung eines Trainings zu psychosozialen Faktoren bei Schwerhörigkeit und in Phase 4 wird dies in eine Anwendungsstudie zur Wirksamkeit des Trainings bei Menschen mit geringer und moderater Schwerhörigkeit überführt. In der Phase 5 sollen die gewonnenen Erkenntnisse in bestehende Versorgungsstrukturen für älterwerdender Menschen mit Schwerhörigkeit transferiert werden.

• In Kooperation mit EUTINNET und der DTL – Deutschen Tinnitus-Liga e.V. – ist eine gemeinsame europäische Online-Database über Tinnitus, Hyperakusis und damit einhergehende Komorbiditäten, mit universitärer Anbindung an die Charité Berlin etabliert worden. So konnten Fragebögen zu Tinnitusbelastung, Hyperakusis, Stresserleben sowie Angst und Depression in 11 Sprachen hinterlegt werden. EUTINNET als Netzwerk für Tinnitus-Selbsthilfe verzeichnet derzeit 11 Mitglieder aus verschiedenen europäischen Ländern. Die Professoren Mazurek, Hesse, Goebel, Dobel, PD Dr. Moschèn und Dr. Rudolph bilden gemeinsam das wissenschaftliche Board.

• Darüber hinaus konnte im Dezember 2025 durch die Deutsche Stiftung Tinnitus und Hören Charité zum siebten Mal der Forschungspreis Tinnitus & Hören (10.000 Euro dotiert) vergeben werden und ging an den Preisträger Dr. Konstantin Tziridis (Erlangen). Wir danken sehr dem diesjährigen privaten Sponsor des Preises. Prämiert werden herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Ursachenforschung, Früherkennung und Therapie von Tinnitus und Hörschäden. Eingereicht werden können: Habilitationen, hochkarätig publizierte wissenschaftliche Arbeiten, Darstellungen geplanter Forschungsprojekte.

• Die Deutsche Tinnitus-Liga e.V. (DTL) lud am 21.03.2026 zum 26. Klinikvertretertreffen in Kassel ein, einer Veranstaltung zur Vermittlung von fundiertem Wissen aus der Tinnnitus-Forschung und Therapie. Rund 50 Klinikvertreter aus ganz Deutschland waren zu dieser Tagung gekommen.

Darüber hinaus feiert die Deutsche Tinnitus -Liga e.V. am 05.09.2026 ihr 40-jähriges Bestehen in Bad Godesberg – hierzu möchten wir recht herzlich gratulieren! Damit steht die DTL Tinnitusbetroffenen seit 40 Jahren mit Verständnis, wissenschaftlich fundierten Informationen und einen gemeinsamen Erfahrungsaustausch als Patientenorganisation zur Seite.

Dem Bedarf an Fortbildungsmöglichkeiten und Weiterbildung im Bereich Psychosomatik wird unter anderem durch mehrere Publikationen zu psychosomatischen Fragestellungen entsprochen.

Folgende Publikationen mit psychosomatischen Inhalten können als Angebote zur Weiterbildung verstanden werden:

• Themensonderheft Psychosomatik in der Zeitschrift HNO (Teil I und II) im 3/2025
• Publikation System medicine approach for Tinnitus with comorbid disorders im Journal Nutrients
• Publikation Chronischer Tinnitus aus psychologischer Sicht in der Zeitschrift HNO'
• Publikation Patient-Reported Outcome Measures (PROMS) – Einsatz zur Depressions-, Angst – und Stressdiagnostik in der Zeitschrift HNO

Im Oktober 2025 wurde bei der 58. Fortbildungsveranstaltung für HNO-Ärzte in Mannheim ein Hauptreferat zu Wann Tinnitus behandelt werden muss? gehalten.

Ebenso ist auf der 59. Fortbildungsveranstaltung für Hals-Nasen-Ohrenärzte 2026 in Mannheim ein Kurs zu Tinnitusdiagnostik und -therapie geplant.

Der zertifizierte Kurs Psychosomatische Grundlagen in der HNO-Heilkunde wird als dezentraler Kurs in der DGHNO-KHC psychosomatisches Basiswissen mit ausgewählten Fallbeispielen für HNO-Weiterbildungsassistenten und HNO-Fachärzte vermitteln. Das Kurskonzept sieht eine jährliche Durchführung vor. Der nächste Kurstermin ist Freitag, 03.12.2027, im Langenbeck-Virchow-Haus (gegenüber Charité Campus Mitte) in Berlin.

Zudem wird der Mobil-Kurs Psychosomatische Basics der AGru Psychosomatik der DGHNO-KHC angeboten. Die Durchführung kann vor Ort in der jeweiligen Institution nach Vereinbarung erfolgen.

Informationen und Anmeldung zu weiteren Curricula Psychosomatische Grundversorgung/ Fachgebundene Psychotherapie / Suchtmedizin können über die Landesärztekammern erfolgen.

Für das Curriculum Stressmedizin (e-learning) ist eine Anmeldung über die LÄK Westfalen-Lippe möglich.

Weitere Veranstaltungen in Planung sind das 27. Tinnitussymposium am Samstag, 04.12.2027 (Kaiserin-Friedrich-Haus in Berlin) und die Sondersession der ArGru Psychosomatik im Rahmen der 98. Jahresversammlung der Deutschen

Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (05. - 08.05.2027 in Dresden) – wir freuen uns auf viele interessierte Teilnehmende.

Schon jetzt möchten wir auf die Tinnitus Research Initiative (TRI) – Konferenz 2026 in Berlin vom 16. - 18.09.2026 unter dem Thema Jump the wall - discover and uncover gaps hinweisen. Veranstaltet wird diese durch die Deutsche Stiftung Tinnitus und Hören Charité sowie die Charité Universitätsmedizin Berlin. Die TRI-Konferenz wird sich mit dem Thema Tinnitus und den folgenden Schwerpunktthemen befassen:
• Psychosomatische Aspekte und Komorbiditäten (z.B. Depressionen, Schmerz, Stressregulation)
• Hören, Hörverarbeitung und Plastizitätsprozesse
• Klinische Befunde, Biomarker und Bildgebung bei mentalen Erkrankungen
• Neue Therapieansätze aus angrenzenden Disziplinen

Es werden ca. 400 internationale Teilnehmende aus verschiedenen Fachgebieten, darunter der Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Psychosomatik, Psychiatrie, Psychologie, Audiologie, Orthopädie, Physiotherapie, Zahnmedizin sowie Grundlagenforschung erwartet.

 

Anschriften der Verfasser:
Professor Dr. med. Birgit Mazurek
Vorsitz AGru Psychosomatik in der HNO-Heilkunde
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1, D-10117 Berlin

Dr. med. Astrid Marek
Stellv. Vorsitz AGru Psychosomatik in der HNO-Heilkunde
Univ. HNO-Klinik, Abt. Psychosomatik
Bleichstr. 15, D-44787 Bochum

Prof. Dr. Christian Dobel
Leiter des Tinnituszentrums der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Jena

 

Bilder: Privat

 


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