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Onkologische Geriatrie
Die onkologische Geriatrie in der HNO beschäftigt sich mit der Diagnostik und Behandlung von Tumorerkrankungen im Kopf-Hals-Bereich bei älteren Patientinnen und Patienten. Da diese häufig unter mehreren Begleiterkrankungen leiden und eine verminderte körperliche Belastbarkeit aufweisen, erfordert ihre Versorgung eine besonders sorgfältige, interdisziplinäre Abstimmung. Ziel ist es, onkologische Therapien – wie Operationen, Strahlen- oder medikamentöse Therapien – an die individuellen Bedürfnisse anzupassen, Nebenwirkungen zu reduzieren und gleichzeitig eine bestmögliche Lebensqualität zu erhalten.
Unsere Schwerpunkte sind hier die Anwendung der geriatrischen Assessments im klinischen Alltag (siehe ausgewählte eigene Publikationen).
Onkologisches Geriatrisches Assessment
Auf dem Gebiet der Onkologie setzen wir uns für die aktive Anwendung der Geriatrischen Assements ein. Hierbei orientieren wir uns an der Leitlinie Geriatrisches Assement
. Danach verwenden wir bei prästationären Patienten den G8 Fragebogen und bei entsprechender Notwendigkeit den PGA.
Link zur Leitlinie Geriatrisches Assessment"
Die Abbildung zeigt den aktuellen Algorithmus für ein systematisches Frailty-Assessment und -Management in der Onkologie nach Leitlinie der ASCO (Goede V; Wedding U Frailty in der Onkologie 2024)
Otologische Geriatrie
Die otologische Geriatrie befasst sich mit den Erkrankungen und Funktionsstörungen des Ohres im höheren Lebensalter. Aufgrund natürlicher Alterungsprozesse kommt es häufig zu Hörverlust, Gleichgewichtsstörungen oder chronischen Ohrgeräuschen, die die Lebensqualität älterer Menschen erheblich beeinflussen können. Ziel dieses Fachbereichs ist es, durch spezialisierte Diagnostik und individuell angepasste therapeutische Maßnahmen – wie Hörgeräteversorgung, medikamentöse Behandlungen oder vestibuläre Rehabilitation – die kommunikative Teilhabe und Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten oder zu verbessern.
Unsere Schwerpunkte sind hier: Hören und Kognition, kognitive Testbatterien für Schwerhörige, Einfluss einer Hörrehabilitation auf die Kognition, Family-centered-Care im Rahmen der Hörrehabilitation, CI-Versorgung im Alter (siehe ausgewählte eigene Publikationen).
Frau Prof. Wenzel beschäftigt sich im Rahmen einer experimentellen Studie mit der optoakustischen Stimulation des Hörvermögens.
Phoniatrische Geriatrie
Die phoniatrische Geriatrie befasst sich mit Stimm-, Sprech- und Schluckstörungen im höheren Lebensalter. Altersbedingte Veränderungen an Kehlkopf, Atemmuskulatur und Nervensystem können zu heiserer Stimme, verminderter Belastbarkeit beim Sprechen oder Schluckproblemen führen, die soziale Teilhabe und Ernährung beeinträchtigen. Durch spezialisierte Diagnostik, logopädische Therapie und gegebenenfalls medizinische oder chirurgische Maßnahmen zielt die phoniatrische Geriatrie darauf ab, Kommunikationsfähigkeit und sicheres Schlucken zu verbessern und die Lebensqualität älterer Menschen nachhaltig zu unterstützen.
Unsere Schwerpunkte sind hier vor allem das Schlucken (siehe ausgewählte eigene Publikationen).
Prähabilitation in der Kopf-Hals-Chirurgie bei geriatrischen Patientinnen und Patienten
Mit der zunehmenden Alterung der Bevölkerung steigt auch die Zahl älterer Patientinnen und Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren. Die Behandlung dieser Patientengruppe stellt aufgrund von Multimorbidität, Frailty, Mangelernährung sowie funktionellen Einschränkungen besondere Anforderungen an das therapeutische Management. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Prähabilitation zunehmend an Bedeutung. Sie umfasst alle Maßnahmen, die vor Beginn einer operativen oder multimodalen Therapie darauf abzielen, die körperliche, funktionelle und psychosoziale Belastbarkeit der Patientinnen und Patienten zu verbessern und damit postoperative Komplikationen zu reduzieren sowie die Erholung zu fördern.
Ein wesentlicher Bestandteil der Prähabilitation ist das geriatrische Assessment. Instrumente wie das G8-Screening, der PGA-Bogen, oder ECOG ermöglichen die frühzeitige Identifikation von Frailty, kognitiven Einschränkungen, Mangelernährung, funktionellen Defiziten und sozialen Unterstützungsbedarfen. Die Ergebnisse unterstützen eine individualisierte Therapieplanung und helfen dabei, das Ausmaß der Behandlung an die physiologischen Reserven und die persönlichen Therapieziele anzupassen.
Da Eingriffe in der Kopf-Hals-Chirurgie häufig mit relevanten Auswirkungen auf Schlucken, Sprechen und Ernährung verbunden sind, ist ein interdisziplinäres Prähabilitationskonzept von besonderer Bedeutung. Neben der chirurgischen und geriatrischen Beurteilung sollten Ernährungsmedizin, Logopädie, Physiotherapie, Psychoonkologie, Pflege sowie Sozialdienst frühzeitig in die Versorgung eingebunden werden. Die Optimierung des Ernährungszustandes, der körperlichen Leistungsfähigkeit und der psychosozialen Situation kann die Therapieverträglichkeit verbessern und die Rückkehr zu einem möglichst hohen Maß an Selbstständigkeit unterstützen.
Die AG Geriatrie sieht in der Prähabilitation einen wichtigen Baustein einer modernen, patientenzentrierten Kopf-Hals-Onkologie. Durch die strukturierte Erfassung geriatrischer Risiken, eines geriatrischen Ist-Zustandes und die frühzeitige interdisziplinäre Intervention kann die Behandlungsqualität verbessert und die Versorgung älterer Patientinnen und Patienten nachhaltig optimiert werden. Zukünftig wird es darauf ankommen, prähabilitative Konzepte stärker in klinische Behandlungspfade zu integrieren und deren Nutzen durch weitere prospektive Studien zu evaluieren.
